ZFI

Zeitgeschichtliche Forschungs- und Dokumentationsstelle Internate

der AVIB gemn. e.V.

D O K U M E N T A T I O N
Es ist einfach unglaublich, mit welch dreisten Methoden die Medien zum Teil desinformieren und manipulieren und damit das Bild der Internate in der deutschen Öffentlichkeit künstlich zu schönen versuchen!  
Besonders merkwürdig: Bis etwa Anfang der 1990er Jahre wurde über Internate in Deutschland überwiegend recht kritisch berichtet. Dies änderte sich mit dem Aufkommen privater Anbieter in Hörfunk und Fernsehen dra- matisch, suchten doch nun auch öffentlich-rechtliche Anstalten mit seichten Lifestilethemen und Hofberichterstattung gegenüber der neuen Konkurrenz "Quote zu machen". Gleichzeitig fanden im Bereich der Printmedien ebenfalls tiefgreifende Veränderungen statt, die ein Vordringen massiver Beeinflussungen der Berichterstattung durch wirtschaftliche Interessengruppen ermöglichten.   

SECHS BEISPIELE:

 
2. WDR 5:
 
3. SWR2:
 
4. FOCUS Nr. 42/1996:
 
5. hr-online:
 
6. "Arte"
Das Internat Schloss Salem (Deutsche Erstausstrahlung: 07.02.2005) 
 

HINTERGRUND
 
MEDIALE ENTGLEISUNGEN DIESER ART SIND ÜBRIGENS KEINE "AUSRUTSCHER"!

DER WAHNSINN HAT METHODE!
 
In seinem Buch "Mattscheibe - Das Ende der Fernsehkultur" (Fischer 2006 ISBN: 3596163935) beschreibt der Fernsehjournalist Jürgen Bertram die dramatischen Veränderungen der letzten 15 Jahre.
 
Aus einer Rezension des TV-Senders 3sat:
"Mehr als 30 Jahre lang hat Bertram als Journalist für öffentlich-rechtliche Sender gearbeitet. Nach anderthalb Jahrzehnten als Korrespondent im Ausland erkannte er die Fernsehlandschaft nicht mehr wieder. Sein Heimatsender NDR zum Beispiel sei zum Spezialsender für Königshäuser mutiert, sagt er. Er zeige Hofberichterstattung ohne Hintergrundanalyse. Bertram beklagt eine zunehmende Entpolitisierung, Anbiederung statt kritische Distanz - Affirmation statt Aufklärung. [...] Bertrams Fazit lautet: Wohl keine Institution in der BRD hätte sich seit seiner Gründung so verändert wie das Fernsehen."

Der Autor beschreibt in seinem Werk am Beispiel des NDR die Anfänge des kritisch-aufklärerischen Fernsehjournalismus. Die Zeit der Grabenkämpfe in den politischen Magazinen in den 70er und 80er Jahren, wo zwischen linken und rechten Journalisten des WDR und des NDR eine "Fortsetzung des Kalten Krieges in den Funkhäusern" tobte. Und heute? TV banal - seichtes Fernsehen, das sich Quote und Kommerz beugt. Die Folge sind Schleichwerbung, Verflachung, Korruption."
 
 
PR-Journalismus auf dem Vormarsch! 
 
In einem Positionspapier des Vereins "Netzwerk Recherche", der sich als  "Lobby für den in Deutschland vernachlässigten investigativen Journalismus" versteht, heißt es: 

 

>>PR-Einfluss auf Journalismus muss drastisch zurückgedrängt werden 
Der Einfluss der PR auf journalistische Medien nimmt massiv zu. Die im Dezember 2004 veröffentlichten Zwischenergebnisse der Benchmarking-Studie der Universität Leipzig (Leitung: Prof. Michael Haller) belegen dies für den Bereich der Tageszeitungen auch empirisch. Die zunehmenden Veröffentlichungen von PR-Texten als redaktionelle Beiträge vor allem in Tageszeitungen sind für die Leser meist nicht erkennbar. Hinzu kommt die Gefahr der zunehmenden Schleichwerbung, die im Mai 2005 sogar die Verleger offiziell beklagt haben.
Für die Marketing- und Werbeabteilungen der Industrie bedeutet PR, als seriöser Journalismus verpackt, die effizienteste Form der Image- und Produktwerbung. Diese Tendenz wird verstärkt durch Austauschbeziehungen nach dem Muster „Anzeige gegen Text“. Dadurch wird die Pressefreiheit zusätzlich aushöhlt, weil die Mediennutzer diese Kopplungsgeschäfte nicht durchschauen können. 
Neben der direkten Einflussnahme auf die Berichterstattung treten zwei weitere Phänomene im Zusammenhang mit PR immer häufiger auf:
Zum einen berichtet Haller in seiner Studie von einer verstärkten Ausrichtung der Zeitungs-berichterstattung auf den „Mainstream politischer Mehrheitsmeinungen im Publikum“. Deren Beeinflussung steht zunehmend im Fokus politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen. Die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ mit ihrem Jahresetat von mindestens 10 Millionen Euro zur Vermarktung neoliberaler Reformideen ist hierfür ein prominentes Beispiel. Sie will über Media-Kampagnen allgemein wahrnehmbare und durch „repräsentative“ Umfragen belegte Stimmungen erzeugen. So wird direkt und indirekt auf das Agenda-Setting der Redaktionen Einfluss genommen.
Der zweite Trend betrifft die Verschmelzung von journalistischer und PR-Tätigkeit. Wirtschaftliche Zwänge wie auch monetäre Verlockungen lassen Journalisten immer häufiger zu Dienern zweier Herren werden. Der Lokalredakteur, der auch für die Mitarbeiterzeitung eines Autokonzerns schreibt, fühlt sich dadurch zwar nicht korrumpiert; dennoch geht er bestimmten Konfliktthemen plötzlich aus dem Weg oder zeigt sich beeinflussbar für eine bestimmte Tendenz seiner Geschichten.
Durch die kargen Honorare in den meisten Printmedien und deren weitere Kürzung sind viele freie Journalisten auf zusätzliche Einnahmen aus PR-Tätigkeiten allerdings inzwischen angewiesen. Solche Doppelbindungen führen jedoch oft zu Rücksicht-nahmen, die Schreib- und Recherchehemmungen oder Auslassungen und Zuspitzungen im Dienste des zweiten, heimlichen Auftraggebers, zur Folge haben.
All das gefährdet die journalistische Unabhängigkeit und gibt die öffentliche Meinung zunehmend der Einflussnahme meist kommerzieller Interessengruppen preis.
[...]
Wirtschaftliche Zwänge sollten nicht als Rechtfertigung für die Verknüpfung oder gar Verschmelzung von journalistischer und PR-Tätigkeit herhalten dürfen. Daher ist es unabdingbar, die aktuellen Honorarsätze vor allem bei Tageszeitungen zu erhöhen und auch – was einmal selbstverständlich war – die Recherche in die Vergütung mit einzubeziehen. Personalabbau  in den Redaktionen bewirkt in der Regel den Rückgang der Recherche und Vormarsch unkritischer Berichterstattung. Um die redak-tionelle Unabhängigkeit zu stärken, bedarf es besserer journalistischer Infrastrukturen.<<
 
 
Die oben beschriebenen Entwicklungen in der Medienlandschaft haben dazu geführt, dass es eine unabhängig-kritische - also wahrheitsgemäße - Berichterstattung über Internate praktisch nicht mehr gibt.
 
  • Einzelne Internate lancieren direkt oder über PR-Agenturen wohlmeinende Berichte in der Presse und zunehmend auch in Hörfunk und Fernsehen; sie nutzen dabei sowohl Netzwerke einflussreicher Eltern und ehemaliger Schüler als auch deren wirtschaftliche Macht („Anzeige gegen Text“).
  • Die stetig wachsende Zahl gewerbsmäiger Vermittlungs-agenturen sorgt für eine Flut von "guten Nachrichten" über Internate allgemein oder einzelne Institute, die bei den "Headhuntern" unter Vertrag stehen.
  • Mainstreamorientierung der Redaktionen (z.B. im Zusammen- hang mit der "Harry-Potter"-Welle) führt zu verklärender und romantisierender Berichterstattung über Internate nach dem Motto "Das wollen die Leute schließlich lesen/hören/sehen".
  • Über gezielte Manipulationen der öffentlichen Meinung ver- suchen bestimmte gesellschaftliche Kreise ["Oberschicht", "gehobene Mittelschicht"] die  Privatisierung des Bildungs-wesens zu forcieren. Dahinter steht das Interesse einst besserverdienender, aber mittlerweile von sozialem Abstieg bedrohter Freiberufler, gewerblicher Mittelständler usw. an der Schaffung von "Elite"- Netzwerken zur Privilegierung des eigenen Nachwuchses auf Kosten der Mehrheit der Bevöl-kerung. In diesem Zusammenhang wird z.B. ausgestreut, Privatschulen seien besser als öffentiche Schulen und neben einem Boom von Privatschulgründungen gebe es auch einen Nachfrageboom bei den Internaten. Letzteres ist eindeutig falsch.
Schönfärberische Berichte über Internate durchsetzen heute die gesamte Medienlandschaft. In Zeitungsartikeln, zumeist redaktionelles Beiwerk von "Sonderveröffentlichungen" (sprich Anzeigenfried-höfen), Doku-Soaps und selbst harmlosen Reiseberichten, in denen einzelne Nobelinternate schleich-werberisch als örtliche Sehenswürdigkeiten auftauchen, wird ein vermeintlicher "Blick hinter die Kulissen" gewährt, der ungefähr so wahrheitsgetreu ist wie die Propagandafilme der Nationalsozialisten über das vermeintlich idyllische Leben in den KZs.
 
Selbst in diesen Machwerken der Internatspropaganda kommt zumeist mehr Nachteiliges ans Licht als ihren Auftraggebern und korrupten "Machern" lieb ist. Dies zeigt u.a. die harsche Kritik  ["verlängerter Werbespot"] des ehemaligen Salem-Schülers und "Tatort"-Kommissars Jochen Senf an der "arte"- Doku-soap "Das Internat Schloss Salem" im Berliner Tagesspiegel. Die Berliner Zeitung enthüllt auch gleich die Hintergründe für die kostenlose Salem-Werbung auf einem Kultur-Kanal: 
"Egal ob schlau oder reich - nach ihrem Abi bilden die "Salemer" ein Netzwerk, das sich gegenseitig in die guten Positionen hievt. Seilschaften halfen sogar dem Film: Autor Klaus Bueb, der Bruder des Schulleiters Bernhard Bueb, öffnete dem Team die Tore für die langen Dreharbeiten."
 

 NEU:



Kostenlose telefonische Beratung

Ihr Gesprächspartner:
Ulrich Lange, Geschäftsführer der AVIB gemn.e.V.

Tel.: 06645 - 918789 



 



Sie sind Besucher Nr.

Kostenlose Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!